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Workshop „Drumset-Mikrofonierung und Aufnahme“ im HOFA-College



Gestern war wieder mal Workshop Tag im HOFA-College. Wie immer ein besonderer Tag für mich. Ich mag die Studioluft, dieses gewisse Feeling, das sich zwangsläufig bei mir einstellt sobald ich die „heiligen Hallen“ eines Studios betrete. Das Thema war heute „Drumset-Mikrofonierung und Aufnahme“

Ein ganz besonders spannendes Thema für mich. Einerseits weil ich selber Schlagzeuger bin, andererseits weil das Thema „Drumrecording“ aus tontechnischer Sicht immer wieder eine ganz eigene Herausforderung darstellt, die mich einerseits an meine Grenzen bringt, mich aber auf der anderen Seite ohne Ende reizt. Der Workshop wurde diesmal von Jochen Weyer geleitet und wir begannen damit uns erstmal verschiedene Songs anzuhören, die jeweils ihre ganz eigene Art von „Drumcharakter“ hatten. Jochen hat uns damit gleich zu Beginn die verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt mit denen man Drums gestalten kann, je nachdem wofür man diese letztlich braucht. Die Palette ist sehr breit, vom räumlich akustischen Sound, bis hin zum komplett trockenen und kompakten Sound, der sich auch in sehr dichten Produktionen durchsetzen kann und bei denen ohne massive Bearbeitung, sowie dem Einsatz von Samples nichts mehr geht.  Wir haben uns aber im weiteren Verlauf des Workshops auf ein klassisches und sehr natürlich klingendes Drumset konzentriert, wie es heute in vielen Rock/Pop Produktionen Anwendung findet.

Jetzt haben wir uns darüber unterhalten wie denn eigentlich im Einzelnen ein guter Schlagzeugsound entsteht. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit das Set nachher in der Produktion auch richtig gut klingt und wir sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

  1. Der Schlagzeuger
    eigentlich ganz klar oder? Wie überall, der welcher das Instrument bedient sollte wissen was er tut!
  2. Das Schlagzeug
    eigentlich auch klar, ein gut gestimmtes Schlagzeug ist sehr wichtig und spart eine Menge Arbeit bei der späteren Bearbeitung.
  3. Der Aufnahmeraum
    Jochen hat uns diesen Effekt am Beispiel einer Bassdrum gezeigt, die wir uns in verschiedenen Räumen angehört haben. Unglaublich kann ich nur sagen, das hält man nicht für möglich.
  4.  Die Mikros und deren Positionierung
    Jetzt erst wird es technisch und alles was bis hier nicht stimmt wird es nachher nicht wirklich besser machen, denn immerhin transportieren wir Musik und was hilft der beste Sound wenn einfach der Groove und die Emotion nicht stimmen. Das aber hab ich hier ja schon oft genug gepredigt;-) So jetzt aber zur Mikrofonierung, die wir vorgenommen haben.

    Kickdrum-1: AKG D112
    Kickdrum-2: Audix D6
    Snare-1: Shure SM57
    Snare-2: Audix D1
    Snare-Button: AKG C 414
    Tom-1: Audix D2
    Tom-2: Sennheiser MD 421
    Tom-3: ein Shure Großmembraner
    Overhead-1 – ORTF-Stereo: AKG C 414
    Overhead-2 XY-Stereo: Shure KSM 141
    Raummikros-1: 2 AKG Kleinmebraner, Richtcharakteristik „Kugel“ vor einer Diffusorwand in ca. 5 Meter Abstand
    Raummikro-2: Shure Großmembran mit 8-er Charakteristik, Mono hinter der Diffusorwand

Als nächstes haben wir alle Mikros sauber eingepegelt, haben dabei auch noch einige verschiedene Vorstufen ausprobiert, die aber nicht wirklich hörbar waren und dann haben wir einfach mal einen paar Minuten einen Groove aufgenommen.

Anschließend bekamen wir einige sehr interessante Möglichkeiten vorgestellt wie man Drumspuren schneiden, editieren und sogar quantisieren kann. Allerdings sind diese Möglichkeiten nicht unbegrezt machbar und je dichter der Groove wird, desto schwieriger wird es diesen zu bearbeiten. Der Schnitt von Schlagzeugspuren muß im Prinzip meist über alle Spuren der Schlagzeugaufnahme erfolgen, da durch das Übersprechen der Mikros schnell Artefakte entstehen können wenn dies nicht berücksichtigt wird. Gerade wenn ein Schlagzeugsound maßgeblich durch den Raum bestimmt wird in dem es aufgenommen wurde. Schnitt und Editing sind deshalb nicht einfach und deshalb ist es sehr wichtig, dass der Drummer möglichst genau auf den Punkt spielt. Schläge die so richtig daneben sind, können leider nicht mehr repariert werden und es bleibt nur noch die Möglichkeit den gesamten Part nochmal aufzunehmen.
Wer all die Hürden jedoch gut meistern kann, der wird mit einem Schlagzeugsound belohnt, den kein Sampler der Welt bieten kann. Gott sei Dank geht der Trend auch wieder immer mehr zum Naturset und das lebt einfach!

Als nächstes haben wir die Spuren klanglich und dynamisch bearbeitet um dem Set auch die nötige Größe zu geben. Vieles was man machen kann, aber eines war schnell klar. Wenn die Aufnahme stimmt muß gar nicht mehr soviel geschraubt werden, damit das Set einfach nur geil klingt. Sehr coole Erfahrung muß ich schon sagen:-)

Alles in allem hatte ich einen sehr schönen und lehrreichen Tag mit vielen Eindrücken, die meinen Phantasie mal wieder so richtig schön beflügelt haben;-) Einige meiner alten Vorstellungen haben sich zum Glück in Wohlgefallen aufgelöst und vieles ist mir jetzt wieder klarer geworden.

Soviel wieder mal für heute. Nächstes Mal geht’s mit dem Mix von JJ67 weiter, der auch schon in einer ersten Version fertig ist.

bis bald

Hans

Published inAllgemein

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