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Meilensteine – Veränderungen sollte man zulassen…

Kennt Ihr das? Wenn plötzlich eine scheinbar unbedeutende Sache plötzlich so einiges an Veränderungen mit sich bringt? Jedem von uns ist sicher schon einmal sowas passiert. Naja zugegeben dies hier ist für manchen bestimmt keine Große Sache, aber für mich mit Sicherheit ein kleiner Meilenstein auf meinem Weg zum Audio Engineer.
Genug der großen Worte – hier die ganze Geschichte …

Ich bin mittlerweile mit meinem Hofa Fernstudium bei Lerneinheit Pro_LE6. Mit der Lerneinheit LE_5 waren wieder zwei Mixe zur Bearbeitung mit an Board, die auch gleichzeitig als Zwischenprüfung dienen sollten. Die Aufgabe besteht diesmal allerdings nicht darin aus dem vorhandenen Material das Bestmögliche herauszuholen, sondern das Ergebnis stand bereits fest. Der sogenannte „Referenzmix“ wurde bereits mitgeliefert und es galt jetzt diesen so gut wie möglich nachzustellen. Eine ganz besondere Herausforderung wie ich bald feststellen mußte. Das Stück das zu bearbeiten war heißt übrigens „Wirklich“ von „INI“. Das Projekt „INI“ wurde 2008 mit dem deutschen Pop- und Rockpreis ausgezeichnet und es verdient auf jeden Fall einen Platz in Eurer Musiksammlung! Produziert wurde das Stück von Jochen Sachse, Geschäftsführer der Hofa-Studios. Sängerin von „INI“ ist Stefany Camee. Stefany war zwei Jahre lang mein Vocalcoach und so war es natürlich eine besondere Herausforderung für mich das Beste aus dem Mix herauszuholen! Alternativ hätte ich mich auch für den zweiten Mix entscheiden können, aber ich habe eben mit INI meine Herausforderung für mich gesehen.

Ich ging auf die gleiche Art und Weise an den Mix heran wie sonst auch. Erst mal alle Spuren ordnen, danach alles in verschiedene Instrumentengruppen einteilen, allen Spuren verschiedene Farben zuweisen um einen besseren Überblick zu haben und danach einfach mal grob reinhören. Mit dem „Reinhören“ verbring ich meist ziemlich viel Zeit. Es fällt mir gar nicht so leicht mir erst mal alle Spuren bewußt zu machen. Ich bin der Meinung, dass dieser Schritt ziemlich wichtig ist wenn man anfängt an einem Mix zu arbeiten. Es gibt oft so viele „Kleinigkeiten“ die dem fertigen Mix einen speziellen Charakter verleihen, so dass gerade diesem Arbeitsschritt eine große Aufmerksamkeit zuteil werden sollte. Auf die einzelnen Arbeitsschritte an sich will ich jetzt gar nicht im Detail eingehen, das würde den Rahmen hier komplett sprengen. Fakt ist allerdings, dass mein erstes Problem schon sehr bald die Rechenleistung meines alten Notebooks war. Der INI-Mix war mit 999 Spuren ziemlich umfangreich und entsprechend hoch natürlich auch der Einsatz an Plugins innerhalb der Spuren. Hinzu kam weiterhin, dass durch die neue Herangehensweise auch ein entsprechender Aufwand nötig war, den ich sonst vermutlich nie betrieben hätte. Schlußendlich war es dann überhaupt nicht mehr möglich das Stück auf meinem Notebook abspielen zu können. Schöner Mist – was sollte ich also tun?

Ich hab dann als erstes versucht bestimmte Instumentengruppen einzeln zu mischen, danach zu bouncen und mit einer Einzelspur weiterzuarbeiten um Rechenleistung zu sparen, aber das war auch nicht das wirklich wahre. Obwohl, früher, als es noch nicht die Möglichkeiten gab wie heute, war diese Arbeitsweise gängige Praxis. Ich war damit allerdings ziemlich überfordert. Irgendwie führte das zu keinem brauchbaren Ergebnis. Trotzdem war ich fest entschlossen einen wirklich guten Mix abzuliefern. Es mußte also dringend eine Lösung her.

Tja, die Lösung war dann ein funkelnagelneuer iMac 27″: 3,2 GHz mit 16GB Arbeitsspeicher. Was soll ich sagen – einfach ein richtig geiler Scheiß:-) Das finanzielle Desaster was das Teil mit sich zog will ich hier nicht näher erwähnen, aber ich kann ihn wenigstens auch beruflich gut gebrauchen und so relativiert sich das Ganze dann doch etwas. Mit soviel Rechenleistung ausgestattet wird man natürlich auch gleich ein ganzes Stück anspruchsvoller und so mußte auch noch ein anständiger Satz hochwertiger Plugins her. Ich hab mich bei meiner Suche für die Fabfilter Plugins entschieden, die ich schon früher mal getestet hatte. Kaufen konnte ich die leider nicht auch noch, aber die 30 Tage Testversion dürfte genügen um die beiden Mixe zu bearbeiten;-)

Bisher hab ich ausschließlich mit kostenlosen Plugins gearbeitet. Einzig ein Plugin-Bundle von Crysonic hatte ich mir mal für ca. 50,- Euro zugelegt. Die Wertigkeit kommerzieller Plugins finde ich persönlich, nach Fertigstellung der Mixe, im Großen und Ganzen mit den freien Plugins nicht vergleichbar. Gerade wenn es darum geht in Bereichen wie Limiting, Kompression und EQ-ing mal ordentlich zuzugreifen, versagen alle meine freien Alternativen ziemlich deutlich. Gut zu wissen dass dem so ist! Irgendwo muß der Unterschied ja schließlich herkommen. Die nächste Zeit werde ich mich jetzt auf jeden Fall mal auf diese Art und Weise durchschlagen. Irgendwann werd ich dann wohl doch noch in den sauren Apfel beißen müßen und mir wenigstens die wichtigsten Plugins wie EQ, Kompressor, Limiter und Reverb zulegen.

Alles in allem hat sich die Investition für mich gelohnt. Beide Mixe wurden mit einer 1- (eins-minus) bewertet. Ich hab mich sehr über das Ergebnis gefreut, zumal ich das persönlich nicht ganz so gut eingeschätzt hätte. Es waren noch einige Bereich, die ich einfach nicht „eins zu eins“ hinbekommen habe, aber es wäre vermutlich auch ziemlich vermessen das zu erwarten. Für die mir gegebenen Möglichkeiten darf ich bestimmt zufrieden sein. Jedenfalls gibt mir das Ergebnis eine gutes Stück Motivation mit auf den Weg. Einziger Faktor, der mich im Moment doch ziemlich belastet ist Zeit. Davon hab ich einfach viel zu wenig. Ich habe festgestellt, dass ich unter zwei Stunden gar nicht anfangen brauche an einem Mix zu arbeiten. Ich hoffe ja dass sich das mit zunehmender Routine noch ändern wird, aber derzeit erfordert jeder neue Mix noch ziemlich viel Konzentration und mentale Stärke um der Herausforderung gerecht zu werden. Ziemlich hoch ist noch immer die Gefahr nach zwei Stunden Arbeit frustriert den Arbeitsplatz zu verlassen, weil es mal wieder einfach nicht so klingen mag wie ich mir das vorgestellt hatte. Umso schöner ist es dann letztlich ein Ergebnis geschaffen zu haben, das den Ohren der Jury gefällt:-) Spannend bleibt es allemal und ich bin gespannt wo die Reise noch hingehen wird!

Alles in allem kann ich jedenfalls abschließen sagen, dass die Bewältigung und das Ergebnis meiner Mixe für die Zwischenprüfung, einen neuen Meilenstein für mich bedeuten und dass es sich für mich auf jeden Fall gelohnt hat mich voll und ganz darauf einzulassen. Vielleicht auch als Motivation für alle, die grad in einer ähnlichen Situation sind.

Hier noch zum Reinhören beide Version vom INI-Mix, die ich mit freundlicher Genehmigung von Hofa-College hier einstellen darf.

INI-Hofa-Referenzmix

INI-Hans-Prüfungsmix

Das nächste mal erzähle ich Euch etwas über einen Workshop zum Thema „Hall und Tiefenstaffelung“. Eines der spannendsten Themen überhaupt in der Tontechnik.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Erfolg bei allem was ihr tut!

Hans

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