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HOFA-Workshop „Pimp my Midi“


Die Workshoptage bei Hofa werd ich irgendwann vermissen soviel ist schon mal sicher! Die meisten hab ich schon durch und nur noch einer ist am Start, der mir wichtig ist und den besuch ich bereits in der kommenden Woche. Naja, so wie ich das Team von HOFA kenne wird bestimmt wieder mal einer ins Leben gerufen, der mich interessiert;-) Diesmal war es ganz ähnlich, denn der Workshop „Pimp my Midi“ ist relativ neu im Programm.

Am letzten Freitag, den 10.01.2014 war es also wieder soweit und der Weg über die A8 verlief diesmal sogar überraschend gut. So gut, wie ich es eigentlich noch nie erlebt habe. Keine Ahnung was da los war, aber ich fand das sehr angenehm:-) Im heutigen Workshop ging es darum aus einem bestehenden Midi-File ein Playback zu generieren, das einer professionellen Produktion so nahe wie möglich kommt. Besonders für mich war der Workshop so interessant, weil ich als Sänger immer wieder das Problem habe Playbacks zu finden, die für meine Stimmlage geeignet sind. Als Bariton tu ich mir da nicht immer leicht und das Verändern der Tonhöhe bei den fertigen Playbacks ist meist nur im Rahmen von ein bis zwei Halbtönen möglich. Alles andere wird dann von der Qualität her meist sehr, sehr grenzwertig, was für meine immer mehr geschulten Ohren natürlich die reinste Folter bedeutet;-) Einziger Ausweg aus dem Dilemma sind dann halt Midi-Files, die man für seine Bedürfnisse anpasst. Um aus so einem Midi-File allerdings ein Playback zu generieren, das wirklich gut klingt muß man je nach Ausgangsmaterial schon einiges an Arbeit investieren.

Tutor war heute Jochen Weyer, der schon seit über 20 Jahren in den HOFA-Studios arbeitet und sich schon seit den Anfängen von Midi (Musical Instrument Digital Interface) im Jahre 1982 mit der Materie auseinandersetzt. Wir hatten als Grundlage ein frei verfügbares Midi-File aus dem Internet und haben das erstmal über einen Standard-GM-Sequenzer, der Teil von Cubase ist abgespielt. Puhh, klang nicht wirklich gut. Klang sogar ziemlich schlecht;-) Gerade so Instrumente wie die Gitarre waren eigentlich gar nicht als solche erkennbar und der Programmierer hat sich offensichtlich auch nicht viel Mühe gegeben innerhalb der Instrumente für Ausgeglichenheit zu sorgen. Prima Ausgangsmaterial also für unser Vorhaben und so haben wir erstmal mit den Drums begonnen. Vorteil von Midi ist ganz klar, dass man einfach alles ausprobieren kann was die Welt an virtuellen Instrumenten hergibt. So waren bei Jochen dann insgesamt 3 verschiedene virtuelle Drums am Start von denen wir die beste Variante ausgewält haben. Ein besonderes Problem sind Rolls auf der Snare. Die klingen halt einfach nur wie ein Maschinengewehr und sind auch echt schwer zu programmieren. Wenn man die Möglichkeit hat, dann ist die beste Vorgehensweise sich einen Drummer zu suchen, der diese auf einem guten Pad mit einem anständigen Soundmodul direkt einspielt. Wenn man nur die Möglichkeit der Programmierung hat, dann sollte man wenigstens versuchen die Abstufungen, die das verwendetete virtuelle Instrument bietet zu nutzen. Weiter ging es dann mit dem Bass. Wir haben eine Fretless Variante ausgewählt und auch hier war es von Vorteil ein wirklich leistungsfähiges Instrument auszuwählen. Unsere Wahl fiel auf  einen Scarbee Bass der einfach auch von den Saitengeräuschen her sehr musikalisch reagiert. Danach waren dann die Flächensounds an der Reihe, die  relativ unkompliziert sind, da die ja eh keine aktustische Grundlage haben. Beim Klavier war es dann schon wieder schwieriger, da bei einem echten Klavier halt viele Feinheiten wie Anschlaggeräusche, Dämpfung usw. Teil des Instrumentes sind. Es gibt zwar echt tolle virtuelle Instrumente für Klaviere und Flügel, aber ganz kommen sie ans Original auch nicht hin. Interessant war auf jeden Fall, dass man hier wie auch bei allen anderen Instrumenten auf jeden Fall die programmierte Anschlagdynamik beachten sollte. Unser Beispielfile war quasi „auf Vollgas“ eingespielt und eine simple Anpassung der sogenannten „Velocity Werte“ brachte schon eine enorme Verbesserung des Gesamtsounds. Allein diese eine Erkenntniss war schon ein „Ohrenöffner“ und  Wert den Workshop zu besuchen!

Das schlimmste Instrument von allen waren dann aber tatsächlich die Gitarren. Die sind halt wirklich nicht einfach nachzubilden. Solange es „nur“ um Pickings geht kann man ja noch damit leben, aber Strummings sind schon echt eine Zumutung. Dafür gibt es dann zum Glück spezielle Strumming Sounds, die das Problem relativ gut lösen können. Es ist fast nicht möglich alle Instrumente so nachzubilden, dass sie an originale Instrumente rankommen, aber es klingt auf jeden Fall schon um Welten besser als das Ausgangsmaterial und zum Glück hat der Konsument nicht ganz die analytischen Ohren wie der Tontechniker. Trotzdem sollte man das nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn egal ob das jemand hört oder nicht eines ist sicher: Eine hochwertige Produktion verschafft dem Hörer ein besseres Gefühl und das ist es ja, was ich immer wieder predige. Es geht um Emotionen und eine schlechte Produktion ist wie ein gefühlloser Kuß. Es fühlt sich einfach nicht so gut an. Man weiß zwar nicht warum, aber es ist einfach mal so!
Wir hatten also am Ende eine Version, die im Gegensatz zu der diletantischen Ausgangsversion schon sehr professionell war. Trotzdem fehlte noch irgendwie die Selle bei dem Ganzen. Wir haben den Song dann noch mit echten akustischen Percussion-Samples aufgewertet und das gab dem Ganzen dann wirklich noch einen ganz besonderen Drive, der dem Song so richtig Leben einhauchte.

Am Ende hatten wir jedenfalls ein wirklich tolles Ergebnis, das mit dem Ausgangsmaterial nicht mehr viel gemein hatte. Trotzdem, was kann man noch machen um das Maximum aus so einem Playback herauszuholen? Na, dazu sollte man sich vielleicht einfach mal die Frage stellen wozu so ein Playback überhaupt gebraucht wird! Ein Playback hat die Aufgabe, begleitend auf die Performance eines Sängers zu dienen. Nicht mehr und auch nicht weniger! Das wiederum bedeutet dass das Playback immer im Konsens zum zukünftigen Gesang stehen sollte. Dazu sollte man im Playback bewußt dem zukünfigen Gesang Raum einräumen! Es bringt nichts wenn das Playback bis ins letzte optimiert wird und für sich selber geil klingt, wenn es nachher dem Sänger nicht dienen kann. Dazu gehören einfach so Schritte wie in den nötigen Frequenzräumen des Sängers Platz zu schaffen und vor allem auch das Playback nicht total tot zu komprimieren!

Ja, der Tag war alles in allem wieder mal genial und auch die Heimreise verlief echt entspannt. Ich war sehr zufrieden, hab wieder jede Menge gelernt und bin letztlich sehr zufrieden Zuhause angekommen;-)

 

 

 

Published inAllgemeinMixingWorkshops