Zum Inhalt

HOFA-Workshop “Mastering”


Wieder mal war Workshop Tag im HOFA-College und wie immer ein Tag auf den ich mich freue. Ich weiß ich wiederhole mich, aber es ist einfach jedesmal einfach ein Erlebnis. So langsam kennt man sich immer besser und immer wieder ist es einfach ein netter Austausch zwischen den Teilnehmern und natürlich auch dem jeweiligen Tutor. Diesmal war Jürgen Lusky unser Lehrmeister. Für mich ein neues Gesicht bei HOFA. Jürgen ist Mastering-Engineer in den HOFA-Studios und für den letzten Schliff an den Mixen zuständig. Mastering ist für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln und deshalb war ich auch echt gespannt was mich da erwartet.
Jürgen hat, wie alle Tutoren bei HOFA, eine sehr mitreißende Art und so waren wir schnell mitten im Thema angekommen, welches mit Hörproben einer ganzen Reihe von erfolgreichen Songs der letzten 20 Jahre startete. Wir haben uns verschiedene Kriterien der Songs betrachtet und kamen letztlich zum Schluß, dass es nicht immer die Qualität ist, die einen Song erfolgreich gemacht hat. Leider ist es aber wohl definitv so, dass aktuelle Produktionen immer weniger audiophile Qualitäten haben. Das Stichwort lautet hier „Loudness War“. Wir haben uns die Wellenformen genauer angesehen und die jeweiligen Titel auch einfach mal auf uns wirken lassen. Spätestens jetzt waren wir in Jürgen Luskys Welt angekommen, die sich noch wirklich fernab von Messwerten befindet. Jürgen steht noch auf die herkömmliche Methode, nämlich Gehör und Emotionen. Da hat er bei mir natürlich mal wieder voll ins Schwarze getroffen, denn solche Argumente kann ich meist sehr gut nachvollziehen, wie ich auch schon in verschiedenen anderen Beiträgen durchblicken lies. Recht hat er auch, man fängt in so vielen Fällen einfach nur das Schrauben an bis der Arzt kommt und dabei wäre alles so einfach wenn man sich nur die Mühe machen würde einfach nur anständige Performance zu liefern und diese auch entsprechend einzufangen. Diese beiden Dinge sind der Schlüssel zu Top Produktionen, aber wie immer liegt auch hier der Teufel im Detail, denn das einzige was einen wirklich soweit bringen kann ist harte Arbeit. Arbeit an sich selber, am Instrument und nicht zuletzt die Arbeit des Tontechniker, der genau weiß wie Mikros zu positionieren sind, welche Räumlichkeiten nötig sind und wie man die Musiker zu motivieren weiß. Das sind die Dinge, die den Unterschied machen und im gleichen Atemzug bekamen wir die besten Beispiele für solche Produktionen gleich ans Ohr geliefert. Produktionen, die mit einfachsten Mitteln  bewerkstelligt wurden, was die verwendete Technik und die Aufnahmebedingungen angeht. Wow, ich war komplett begeistert und teilweise wußten die Leute nicht mal was sie da taten, sie haben einfach nur Musik gemacht, mit Herz und Seele und das ist einfach nur geil!

Ja, wir waren doch eigentlich beim Mastering? Stimmt, und schon sind wir wieder auf dem Punkt. Mastering kann nur funktionieren, wenn die Leute vorher ihre Hausaufgaben machen. Mastering ist die Veredelung eines eh schon reifen Werkes, einfach nur der weiße Lappen, der die Fingerabdrücke vom frisch polierten Kotflügel am nagelneuen Porsche wischt. Extrem krasse Eingriffe sind  – wenigsten bei einer wirklich audiophilen Produktion gar nicht mehr notwendig. Hier mal ein, zwei db Höhen, einen touch Kompression, etwas breiteres Stereobild oder auch eine Kleinigkeit Hall veredeln solche Produktionen schon sehr überzeugend.  Etwas anders ist es bei Produktionen, die dem Radiostandard gerecht werden sollen, bzw. bestimmten Vorgaben angepasst werden müssen. Hier werden noch hart die Daumenschrauben angelegt, um die maximale Lautheit zu erreichen. Das ist auch ein Weg und der Erfolg gibt solchen Produktionen auch recht, aber das muß jeder für sich selber entscheiden. Der Mastering Engineer sollte jedenfalls beide Seiten beherrschen. Meine Seite ist allerdings eher die Audiophile.

Viele denken, das Mastering kann einen schlechten Mix zu einem Guten machen, aber dem ist einfach nicht so. Wie soll man auch aus einem schlechten Ausgangsprodukt ein Professionelles machen? Geht doch gar nicht! Jürgen nimmt dabei auch kein Blatt vor den Mund und behält sich jederzeit vor Aufträge gar nicht erst anzunehmen, wenn er merkt, dass hier nicht’s zu machen ist. Ich finde das sogar mehr als fair, denn es spart dem unwissenden Kunden auch eine Menge Geld!

Jetzt war erstmal Kaffeepause und im weiteren Verlauf des Workshops, wurden wir dann doch noch etwas technisch und haben uns verschiedene EQ’s angeschaut. Nicht die wirklich super teuren High-End EQ’s sondern einfach nur Stock-Plugins bzw. solche, die schon für 50 bis 100 Euro zu haben sind und im direkten AB-Vergleich konnten wir nicht wirklich Unterschiede feststellen. Nicht dass Jürgen mit lauter solchen arbeiten würde, im Gegenteil, im HOFA Mastering Studio stehen ausschließlich High-End Hardware-EQ’s und Kompressoren im Rack, aber trotzdem kann man mit solch einfachen Mitteln durchaus hörbare Ergebnisse erzielen.

Langsam neigte sich der Workshop wieder dem Ende zu und diesmal war es eher eine Session auf der Couch des Tontechnik-Psychiaters, als ein Technik Seminar, aber diesen Ansatz hatten wir bei anderen Workshops auch schon und das macht die Workshops für mich auch immer so wertvoll. Das sind Dinge, die kann man nirgends nachlesen, die muß man einfach erfahren. Am nächsten Tag hab ich mich gleich an meine aktuellen Mixe gemacht und einfach nur mal auf mein Gefühl vertraut und ich bin der Meinung es hat mich wirklich wieder ein gutes Stück weiter gebracht und das fühlt sich einfach gut an:-)

Ganz zum Schluß hat uns Jürgen noch seine eigens entwickelten Studiomonitore vorgestellt und ich muß sagen ich war sehr angenehm überrascht. Das sind mal wirklich sehr amtliche Boxen, die da entwickelt wurden. Schade dass keine Zeit mehr war den Sound mit meinen Mixen zu testen, da ich bei denen ja genau weiß was ich in meiner Regie auf den Ohren habe, aber dieses System werde ich mir auf jeden Fall schon mal vormerken. Jürgen hat lange an diesen Monitoren gearbeitet und es steckt immerhin die Erfahrung von über 2000 gemasterten CD’s in diesem System und das ist doch schon mal eine ordentliche Referenz;-) Für alle die es interessiert, hier gibt’s Infos zu den Monitoren, die den wirklich schönen Namen „VERDADE“ tragen. Er kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet Wahrheit …

Published inAllgemein