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Hall und Tiefenstaffelung in den Hofa Studios…

Am 15.11. hatte ich einen ganz besonderen Termin in meinem Kalender stehen. Ein Workshop in den Hofa-Studios in Karlsberg. Wie schon einige Male erwähnt, absolviere ich ja derzeit ein Fernstudium zum „Audio Engineer“ bei „Hofa-College“. Das Hofa-College veranstaltet regelmäßig kostenlose Tages-Workshops zu allen möglichen sehr interessanten Themen rund um die Tontechnik. Heute stand das Thema „Hall, Tiefenstaffelung und Effekte“ auf dem Plan und das durfte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Für mich ranken sich schon immer so einige Mythen und eine Art undurchsichtiger Zauber rund um dieses Thema und so bin ich mehr als gespannt auf das was da wohl an Erkenntnissen auf mich zukommen wird.

Als ich in den Hofa Studios angekommen bin wurde ich gleich von Jonas Schira begrüßt. Einer der Tutoren vom HOFA-College und es gab auch gleich eine schöne Tasse Kaffee, die ich nach den 2,5 Stunden Fahrt auch gut gebrauchen konnte;-) Gleich zu Beginn war eine kurze Führung durch die HOFA-Studios auf dem Plan und so konnte ich mir gleich mal einen sehr positiven Eindruck von den Regie- und Aufnahmeräumen machen. Besonders beeindruckt haben mich eine nagelneue „Solid State Logic AWS 924“ Mischkonsole und auch das reichhaltige Angebot von so einigen Perlen wie z.B. einem sehr schönen Steinway Flügel und auch eine echte Hammond-Orgel mit einem Röhren-Lesley. Ich steh auf solch alten „Krempel“ und die Magie, die solche Klassiker austrahlen hat schon was besonderes;-)

Der Workshop selber wurde dann in der Regie-B vom Geschäftsführer Jochen Sachse durchgeführt. Highlight in der Regie-B war eine ganz neue Abhöre die von der Firma Klein & Steck zum Test zur Verfügung gestellt wurde. Eine „Master-Line“ Abhöre im Wert von 45.000 Euro! Ja Ihr habt richtig gelesen fünfundvierzigtausend Euro. Wow, sowas strahlt schon mal ein Feeling aus, den ich das letzte mal gefühlt hatte als ich zum ersten mal in ein Neumann M147 für 2500 Euro singen durfte;-) Meine Affinität gegenüber geilem Equipment kann ich also nicht leugnen, aber dieses Ding ließ die daneben stehenden Geithain Ahören ganz klein aussehen und die Kosten immerhin auch schon an die 15.000 Euro.

Der Workshop gestaltete sich sehr informativ und äußerst interessant. So einige sagenumwobene Vorstellungen rund um das Thema Tiefenstaffelung kann ich jetzt zum Glück revidieren und wir bekamen das ganze Thema sehr anschaulich und verständlich vermittelt. Angefangen haben wir nicht in der Regie, sondern im Aufnahmeraum, wo wir mit geschlossenen Augen sehr eindrucksvoll erleben durften wie denn Räumlichkeit so im richtigen Leben funktioniert. Eine sehr nüchterne Darstellung einer Sache, die im Prinzip eh schon jeder weiß, die ich aber einfach noch nie so richtig verständlich vermittelt bekommen habe. Einen sehr schönen plastischen Vergleich haben wir in Form von Bildern vermittelt bekommen. Ja genau, einfache Bilder und in der Tat, die Tontechnik läßt sich wirklich eins zu eins mit Bildern vergleichen. Da gibt es Kontraste, Unschärfen, wichtige und unwichtige Elemente, die in Ihrer Vielseitigkeit und kreativen Umsetzung letztlich zum Kunstwerk werden. Schaut Euch einfach mal ein paar schöne Bilder an und versucht die einzelnen Elemente auf ein Musikstück zu übertragen, oder umgekehrt, verschiedene musikalische Elemente als Teil eines Bildes zu sehen.  Dabei gibt es eigentlich gar keine eindeutigen Regeln, nur harmonieren muß es halt und letztlich einfach stilsicher sein. Ich fand den Vergleich jedenfalls unglaublich hilfreich und ich werde mir in Zukunft meine Mixe nicht nur „anhören“, sondern auch versuchen ihnen eine visuellen Blickwinkel zu geben.

Eine ganz besondere Erkenntnis  für mich war auch die Tatsache dass es eigentlich fast unmöglich ist akustische Gegebenheiten wie sie in der Natur vorkommen genau identisch nachzubilden. Wir haben dies mit entsprechenden Aufnahmen und mit Hilfe von Analyzer-Analysen versucht, aber es hat nicht wirklich funktioniert. Natürlich vorhandene Signale sind so komplex, dass es kein Hallgerät der Welt schafft  genau diese Gegebenheiten abzubilden. Hier greifen oftmals auch psychoakustische Elemente. Wir hatten z.B. ein Soundfile, das selbst bei einem extremen Panning auf eine Seite immer noch klang als kam es aus der anderen.  Es ist also schon bei der Aufnahme genau darauf zu achten, was man am Schluß eigentlich will und dementsprechend sollte man auch die Räumlichkeiten für die Aufnahmen auswählen. Als einfache Faustregel gilt es einfach gewisse Abstände beim Recording zu berücksichtigen und nicht alles nur ganz nah am Mikro aufzunehmen. Einfach mal die spätere Position im Mix überdenken und gleich ein wenig weiter vom Mikro wegbleiben bzw. seitlich versetzt aufnehmen, das Ergebnis war jedenfalls bei unseren Test äußerst überzeugend!

Genau mit dieser Erkenntnis ist mir ein gewaltiger Stein vom Tontechniker-Herzen gefallen! Bin ich doch schon so manches mal an solchen Aufgaben komplett gescheitert und dabei war es eigentlich technisch gar nie wirklich möglich. So einfach kann das sein:-)

Es wurde natürlich auch noch ziemlich technisch im Verlauf des Kurses. Wir haben die Vor- und Nachteile von Faltungshall im Gegensatz zu herkömmlichen algorithmischen Hallformen beleuchtet, jede Menge Soundbeispiele gehört und die grundsätzlichen Hallcharaktere in Ihrer Urform mit Hilfe eines DIRAC-Stoßes analysiert und bewertet. Wir haben jede Menge Hall- und Modulationsplugins miteinander verglichen und wir haben sogar Effektgeräte selber gefaltet um sie in einem Plugin für Faltungshall verfügbar zu machen. Jede Menge geballte Infos, die mir teilweise echt die Augen geöffnet haben.

Am Schluß haben wir uns dann noch mehrere beeindruckende Mixe angehört und im Hinblick auf Hall und Tiefenstaffelung analysiert. Die wichtigste Erkenntnis für mich war jedenfalls – Hall und Räumlichkeit sind ganz maßgeblich an der Stimmung eines Musikstückes beteiligt, können aber niemals ausschließlich über Plugins erreicht werden. Viel wichtiger ist es deshalb schon im Vorfeld eine klare Soundvision zu entwickeln und diese erstmal bei den Aufnahmen und im Arrangement umzusetzen. Hall und Co. können dann nur noch die Politur sein. Darauf sollte man auch achten, wenn man die vorliegenden Spuren nicht selber aufgenommen hat, sondern mit der Mischung betraut wurde. Hier ist es sicher von Vorteil schon von vorherein hinten liegende Spuren nicht mit Gewalt nach vorne zu bringen oder umgekehrt. Dies soll allerdings nur als Faustregel bei akustischen Aufnahmen dienen. Ausnahmen kann und soll es geben, solange sie nur ins Bild passen;-)

Ich bedanke mich auf jeden Fall ganz herzlich beim Hofa-Team für den tollen Workshop, die freundliche Atmosphäre, für den Kaffee und das Mittagessen und freue mich schon auf den nächsten Workshop:-)

Als Ausblick für den nächsten Artikel darf ich Euch schon mal mein erstes Bandrecording mit einfachsten Mitteln ankündigen. Mein Sohn braucht mit seiner Band ein einfaches Demo und da werd ich mich jetzt dann mal ranwagen. Wird sicher spannend;-)

bis zum nächsten mal in meinem Blog

Der Hans

 

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