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Goldene Ohren oder “The Legend of Golden-Ears” – Teil 8

…na, so langsam aber sicher ordentlich verwirrt?;-) Kein Wunder, das ganze Thema kann einem schon mächtig zusetzen. Auch ich schlag mich damit schon seit geraumer Zeit herum, aber eines solltest Du auf keinen Fall: AUFGEBEN!!

Glaub mir, ich war schon einige Male am Rand der Verzweiflung. Trotzdem läßt es mich einfach nicht los! Es ist einfach schön wenn man nach und nach den Erfolg seiner Bemühungen spürt. Vielleicht nicht immer ganz klar, aber doch so nach und nach. Sehr subtil, aber dennoch präsent. Jeden Tag ein kleines Stückchen mehr. Du hörst ein Lied im Radio und und auf einmal wird Dir ganz klar – das ist ein Plate-Hall, der da zur Anwendung kommt, der dürfte so um die 2,5 Sekunden Nachhallzeit haben. Vorher war mir nicht mal bewußt, dass da überhaupt ein Hall ist. Hey, die Bassdrum hat aber einen ziemlich präsenten Anteil bei rund 2,5kHz. Das gibt Ihr einen schönen Kick. Die Snare klingt mit diesem kurzen Ambience, der an einen Flur erinnert, richtig schön offen und die Kompression in der Overheadspur läßt das Drumset sehr groß, druckvoll und räumlich klingen. Plötzlich fällt einem alles wie Schuppen von den Augen. Nicht sofort, aber immer mehr! Das ist ein tolles Gefühl und ich genieße es in vollen Zügen wann immer es sich einstellt:-)

So aber nun genug mit der Gefühlsduselei! Andererseits – hatten wir nicht schon festgestellt, dass es bei der Musik im Wesentlichen um Emotionen geht? Klar, so ist es und deshalb haben solche Ausschweifungen für mich auch durchaus ihre Berechtigung;-)

Immer wenn es um Sound und Mixing geht, kann man generell sagen: „Erlaubt ist was gefällt“ bzw. was dem Mix bzw. der Musikrichtung dient. Bei Rockmusik wird man sicherlich recht oft die Schwerpunkte auf die Gitarren, Bass und Drums legen, während diese Instrumente in der Klassik wohl eher nicht erwünscht sind. Im Schlager werden dagegen die Key- und Synthie-Sounds dominieren. Wie auch immer, jede Musikrichtung hat so ihre eigenen Regeln und wer es versteht diese so für sich arbeiten zu lassen, dass etwas völlig neues dabei herauskommt hat die Nase vorn. Das zu erreichen ist wohl der stille Traum und der Wunsch von jedem Audio-Engineer;-)

Trotzdem gibt es ein Menge grundsätzlicher Regeln, die uns alle unserm Ziel näherbringen sollen.

Vorweg vielleicht noch eine ganz allgemeine Regel, die in den meisten Fällen gut funktioniert. Sucht Euch die Songs als Referenz, die Euren Vorstellungen am nächsten kommen. Grad am Anfang ist es sehr hilfreich wenn man für das was man erreichen will schon mal ein Abbild hat nach dem man sich richten kann. Das widerspricht vielleicht auf den ersten Blick dem Gedanken sein eigenes Ding zu schaffen, aber es geht ja erst mal darum ein Gerüst zu bekommen, an dem man arbeiten kann. So quasi eine Vorlage, die dabei hilft wenigstens mal ein Ergebnis zu haben, das funktioniert und an dem man dann weiterarbeiten kann. Zieht Euch also alles rein, was Euch gefällt. Hört auf die Details und versucht diese in Eure Mischungen zu integrieren. Leider gibt es hier wieder keine allgemeinen Regeln. Das Ohr entscheidet letztlich ob eine Technik funktioniert oder auch nicht. Ein Bearbeitungsschritt, der beim einen Song hervorragend klingt, kann bei einem anderen Song überhaupt nicht funktionieren!

Bei meinem aktuellen Monatsmix, der gleichzeitig auch noch der Mix für die Zwischenprüfung werden soll, besteht die Aufgabe ausnahmsweise mal nicht darin, aus dem bestehenden Material ein bestmögliches Ergebnis zu erarbeiten. Nein, das Ergebnis steht diesmal schon fest und meine Aufgabe ist es den Mix so originalgetreu wie möglich nachzubauen. Leute ich kann Euch sagen, das mach mich echt wahnsinnig. Allein an den ersten 15 Sekunden des Stückes bin ich bereit 3 Stunden gesessen und ich krieg diese Akustikgitarre einfach nicht so hin wie im Refernzmix. Eine ganz neue Arbeitsweise und eine echte Herausforderung! Bisher konnte man sich immer hinter dem Schatten der künstlerischen Freiheit verstecken. Jetzt aber geht es darum seine Fähigkeiten als Tontechniker unter Beweis zu stellen und eine Mix so original wie möglich nachzubauen. Das überfordert mich allerdings im Moment total:-( Ich kann mich jetzt vielleicht damit trösten, dass ich kein High-Tech Studion hab und mich nur mit freien Plug-Ins rumschlagen muß, aber ganz laß ich das nicht gelten. Ich bin mal gespannt wie das Ergebnis letztlich von den Tutoren bewertet wird und hoffe das sie auch anständig mit mir ins Gericht gehen;-)

Ganz egal was auch immer rauskommt, einen Vorteil hatte die Arbeit der Gehörbildung – ich weiß genau was ich will, muß jetzt aber nur noch lernen wie ich dahin komme. Eine neue Herausforderung und ein weiteres Ziel auf meinem Weg zum besseren Sound. Ich freu mich drauf und wünsch eine gute Zeit!!

herzliche Grüße

Hans

Published inAllgemeinGehör

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