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Goldene Ohren oder “The Legend of Golden-Ears” – Teil 3

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Hallo lieber Leser, schön dass Du wieder dabei bist. Es freut mich sehr, wenn meine Beiträge auf „offene Ohren“ stoßen;-) Wenn Du gerade erst dazugestoßen bist, möchte ich Dir natürlich auch Teil 1 und Teil 2 dieser Serie ans Herz legen.

Nach dem musikalischen Gehör wollen wir uns diesmal speziell um das technische Gehör kümmern. Welche Fähigkeiten sollten wir beherrschen wenn wir vom technischen Gehör sprechen? Diese Frage kann ganz schnell ziemlich speziell werden. Deshalb hier einfach mal eine Auflistung über die wichtigsten Bereich zu diesem Thema:

  1. Lautstärkeverhältnisse und Panorama
    Dieser Bereich steht für mich ganz am Anfang wenn es darum geht einen Mix aus einer bestimmten Anzahl an Einzelspuren zu erstellen. Dabei geht es ganz einfach darum, durch ein bestimmtes Lautstärkeverhältnis der einzelnen Intrumente zueinander, bzw. deren Platzierung im Stereopanorama, jedem Instrumente einen bestimmten Platz im Mix zuzuordnen. Ganz einfach gesagt kann man sagen, dass sich z.B. der Gesang und die Bassgitarre in der Mitte, die HiHat links und der Shaker rechts befinden können. Dadurch wird jedem Teil des Ganzen schon mal grob ein Bereich zugewiesen in dem er sich ungestört entfalten kann. Wäre alles nur in gleicher Lautstärke und alles in der Mitte platziert, so würden wir das als undefinierbaren Matsch empfinden. Wir wären nicht in der Lage ein einzelnes Instument genau und vor allem angenehm zu lokalisieren.
  2. Frequenzen hören bzw. bestimmen
    Das hören und bestimmen spezifischer Frequenzen ist neben den Lautstärkeverhältnissen ein weiteres wichtigstes Element wenn wir vom technischen Gehör sprechen und kommt für mich gleich auf Platz zwei. Jedes Instrument, jeder Klang und jede Stimme hat seinen eigenen speziellen Frequenzbereich und Frequenzumfang. Das Wissen, um die für jeden Klangkörper eigenen Frequenzen ist sehr wichtig, um letztlich in einem fertigen Mix jedem Instrument und auch der Stimme die richtigen Bereiche im gesamten Klangbild zuordnen zu können. Ein ausgewogenes Frequenzspektrum sorgt auch dafür, dass jedes Instrument im Mix gut wahrnehmbar wird und wir den Gesamtsound als ausgewogen und angenehm empfinden. Dadurch wird es erst möglich über die richtigen Schwingungen auch entsprechende Stimmungen zu erzeugen um so einem Musikstück den nötigen Ausdruck zu verleihen.
  3. Hall und Echo sowie räumliche Informationen
    Überall in unserem Umfeld nehmen wir räumliche Informationen wahr. So können wir sofort bestimmen ob wir uns in einem Kleiderschrank oder aber in einer großen Kirche, oder auch nur in einem Treppenhaus bzw. auf dem Klo befinden;-) Jede Umgebung in der wir uns aufhalten hat Ihren eigenen Klang, ihre spezielle räumliche Information, die uns relativ schnell wissen läßt in welchem „Raum“ wir uns befinden, auch wenn wir grade nichts sehen können. Diese Eigenschaft können wir uns mit dem gezielten Einsatz von Hall, Delay und Raum-Effekten (Ambience) zunutze machen. So können wir einen Chor in einer großen Kirche oder auch nur in einem Wohnzimmer platzieren. Wir können eine Band auf eine große Bühen stellen oder einfach nur in einen kleinen Club. Je nachdem was wir mit dem jeweiligen Song erreichen und aussagen wollen, können wir mit diesen Rauminformationen die nötige Stimmung schaffen. Das Wissen um die Eigenschaften der jeweiligen Räume und wie diese technisch entstehen, ist also ein weiterer wichtiger Faktor wenn es um „goldene Ohren“ geht.
  4. Dynamische Bearbeitung und Effekte
    Der Begriff „Dynamik“ beschreibt im Grunde den Unterschied zwischen laut und leise. Obwohl die Werkzeuge zur Bearbeitung der Dynamik von Audiomaterial im Grunde auch Effekte sind, so ist dieser Bereich für mich eigentlich kein Effekt im eigentlichen Sinne. Typische Werkzeuge zur Dynamikbearbeitung sind Kompressor, Limiter, Expander und Gates. Entsprechend eingesetzt kann man damit natürlich sehr spezielle Effekte erreichen, aber viel wichtiger finde ich, dass dynamische Effekte das Empfinden der Lautheit einer Audiospur nachhaltig beeinflussen können. Richtig eingesetzt kann man z.B. einen Sänger im Mix so platzieren, dass er immer schön im Vordergrund wirkt, ohne dass der eigentliche Charakter der Stimme verloren geht. Dazu ist es natürlich notwendig die verschiedenen Parameter zu kennen und auch wie sich diese auf den Klang, bzw. die Dynamik auswirken. Das Verständnis um das Hören und Bestimmen von dyamischen Parametern finde ich mit die größte Herausforderung wenn es um das technische Gehör geht.
    Danach kommt dann alles was sich um Effekte im klassischen Sinne handelt, wie zum Beispiel Flanger, Chorus, Phaser, Verzerrer usw. Auch hier geht es darum den Charakter der Effekte zu kennen und wie sich die verschiednen Parameter und Einstellungen auf den Sound auswirken.

Soviel für heute über alles was mit dem technischen Gehör zu tun hat. Ich hoffe ich konnte wieder etwas Licht ins Dunkel bringen. Nächstes Mal werden wir noch etwas eingehender auf die jeweiligen Bereiche eingehen und uns dann auch etwas mehr an die wichtigsten Parameter heranwagen.

Bis zum nächsten mal und immer schön die Ohren spitzen;-)

 

 

 

Published inDynamicsEffekteGehör

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